YOU GOTTA KNOW kunst 100 – lila nettsträter

 
 

Lila Nettsträter steht mit ihrem Unternehmen noch am Anfang. Das liegt auch daran, dass die 27-jährige sich lange nicht entscheiden konnte, welche Idee sie in die Tat umsetzen sollte – sie sprüht nur so vor Einfällen. Seit einem Jahr schafft sich Lila nun Platz in der Berliner Kunstszene – mit einer innovativen Geschäftsidee: Kunst100 ist ein Projekt, bei dem in Pop-up-Galerien Werke unter hundert Euro verkauft werden.

„Kunst 100 ist aber kein Discounter“, betont die Wahlberlinerin. „Ich darf in den Ateliers der Künstler stöbern, dabei stoße ich auf Werke, die der Künstler zuvor gar nicht als Kunst angesehen hat, sie sind in den hintersten Ecken versteckt. Oft sind das nur einfache Bögen, doch mit dem richtigen Passepartout und Rahmen, den ich ihnen verpasse, lasse ich die Kunstwerke ihre Wirkung entfalten.“

Eine Win-Win-Situation: Künstlern aus aller Welt gibt Lila so eine Bühne, den Kunden ermöglicht sie es, für nicht allzu hohe Preise die eigenen vier Wände mit echten Unikaten zu verschönern. Eigentlich logisch, dass die Idee dazu im eigenen Wohnzimmer kam: „Als Studentin habe ich meine kahlen Wände gesehen und mich gefragt, wie ich mein Zuhause verschönern kann, ohne zu Ikea zu fahren.“, erzählt Lila. Bei Kunst100 gehe es nicht um Top-Künstler und Kunstexperten, sondern um Menschen, die laifenhaft Lust auf Kunst haben.

Heute zählt Lila mit ihrer Aktion rund hundert Kunstschaffende auf der ganzen Welt zu ihrem Team. Auch ihre allererste Klientin war keine professionelle Künstlerin, sondern Filmemacherin, deren Werke als Dekoration für einen ihrer Filme bestimmt waren. Lila traf sie zufällig auf einer Reise durch Australien; aus heiterem Himmel überlies die Frau ihr ihre Kunst, als Lila ihr von ihrer Geschäftsidee erzählte. Die Begegnung mit der Australierin weckte in Lila den Mut für einen Neustart. „Ich habe mich so über ihr Vertrauen zu mir gefreut. In diesem Moment habe ich kapiert, dass ich gerne Verantwortung für die Kunstwerke übernehmen möchte. Ich stand auf einmal nicht mehr nur mit einer Fantasie da, sondern mit echter Kunst in meinen Händen.“

Trotz eines sicheren Arbeitsplatzes, während und nach ihres BWL-Studiums, war Lilas Leidenschaft für ihre Idee groß genug, Neues zu wagen. Sie realisierte, dass sie in ihrem Job nicht glücklich war und begann, ihre Vision in die Tat umzusetzen. Doch die junge Berlinerin weiß, dass sie noch am Anfang ihrer Karriere steht: „Bis heute muss ich mich jeden Tag neu entscheiden, ob ich in der Selbstständigkeit bleibe. Am Anfang bist du ganz alleine. Das heißt, dass du all deine Probleme nur auf dich selbst zurückführen kannst. Du kannst auf niemanden sauer sein, nur auf dich selbst. Es ist schwer, nicht frustriert zu sein.“

Aber Lila gibt nicht auf, hält an ihrer Passion fest. Sich selber die Zeit zu geben, einen Traum zu realisieren, ist für die 27-jährige wichtig. „Es ist unglaublich schön, mit anzusehen, wie glücklich die Künstler sind über die Wertschätzung. Gleichzeitig bekomme ich so positives Feedback von den Kunden. Das motiviert mich.“ Die Selbstständigkeit bedeute für Lila ein komplett neues Lebensgefühl, sagt sie. Es laste als Unternehmerin zwar ein großer Druck auf ihr, doch die Arbeit sei trotzdem viel befreiender als das Angestellten-Dasein.

Lilas Tipp für zukünftige Unternehmerinnen: „Den ersten Schritt wagen. Wenn Ideen nur im Kopf bleiben, wird sie niemals jemand sehen können.“