YOU GOTTA KNOW aprilmay – kristina tulinius

 

Dass Kristina Tulinius den Weg zur Selbstständigkeit gehen wollte, wusste sie eigentlich schon immer. Heute, mit 34 Jahren, ist sie Inhaberin ihrer eigenen Produktionsfirma AprilMay. Die Berlinerin gibt lachend zu: „Ich war noch nie in einem Bewerbungsgespräch! Noch nicht einmal eine Bewerbung habe ich geschrieben.“

Dabei kam Kristinas Traumberuf zu ihr, ohne dass sie ihn suchte. Nach dem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin, traf sie zufällig einen Fotografen, der sie bat, ein Shooting für sich zu organisieren. Ohne wirklich zu wissen, was genau sie dabei erwartete, sagte Kristina zu. „Ich hatte das Gefühl, ich hätte noch nie etwas anderes in meinem Leben gemacht, und auch, dass ich nie wieder etwas anderes machen wollte.“ Kristina fühlte sich so wohl und sicher in dem, was sie tat, dass die Idee für ihre eigene Produktionsfirma AprilMay geboren war. Die damals 27-jährige startete als Gründerin ihres eigenen Unternehmens durch. „Das erforderte am Anfang zwar wahnsinnig viel Mut, doch ich war schon immer eine Person, die sich selbst sehr gut einschätzen konnte. Ich habe immer versucht, meine Firma organisch wachsen zu lassen und einen Schritt nach dem anderen zu machen“, weiß Kristina heute.

Nur mit ihrem Organisationstalent ausgerüstet, ging Kristina mit viel Enthusiasmus und Selbstbewusstsein an die Arbeit. „Am Anfang war es der Horror, wenn jedes Mal die Frage kam: ’Was hast du eigentlich vorher gemacht?‘ Das Thema habe ich dann galant umschifft“, gibt Kristina lachend zu. „Heute traue ich mich aber zu sagen, dass ich Produktion nie gelernt habe und eigentlich eine Quereinsteigerin bin. Das Wichtigste, was man mitbringen muss, ist Talent.“ Das Kundenportfolio von AprilMay mit namhaften internationalen Mode- und Werbekunden, die sie fast sieben Jahre nach der Unternehmensgründung mit ihren fünf Mitarbeitern betreut, spricht für den Erfolg von Kristinas Idee und bestätigt ihren damaligen Mut.

Dass sie sofort in die Selbstständigkeit ging, war auch der Tatsache geschuldet, dass Kristina nach ihrem Studium nicht damit einverstanden war, wie sehr Frauen nach einigen Jahren in der Arbeitswelt regelrecht „aussortiert“ werden, sobald sie an Familienplanung denken. „Viele Frauen müssen sich immer noch zwischen Kindern und Job entscheiden – so sollte es aber niemals sein. Das war einer der vielen Gründe für mich, selbstständig zu sein: Ich kann mir Perspektiven schaffen, wie ich sie möchte. Auch, was Familienplanung angeht.“

Heute ist Kristina zweifache Mutter und kann stolz von sich sagen: „Ich komme jeden Tag sehr glücklich nach Hause, weil ich das vereinen kann, was ich immer vereinen wollte.“ Dazu kommt, dass sich für sie ihre Arbeit nicht wie Arbeit anfühle, so die Unternehmerin. „Das ist ein großes Privileg. Ich unterscheide nicht zwischen einem Montag und einem Samstag – ich finde beides toll.“ Als erfolgreiche Gründerin weiß Kristina, was für sie auf ihrem Weg das Wichtigste war: Man müsse sich den berühmten Zauber des Beginns die ganze Zeit über konservieren. „Ich erinnere mich oft daran, mit wieviel Passion und Hingabe ich schon für meinen ersten Kunden gearbeitet habe. Man muss sich ständig daran erinnern, so zu bleiben – das ist das Geheimnis, um sich am Markt etablieren zu können.“