WORKING MOM business detoxing

 
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2016/17 war wohl mit eines der härtesten Jahre meiner bisherigen Karriere. Eine Zeit, in der alles zu Ende ging und doch wieder neu anfing.

Seit ich 14 Jahre alt war, gehört Arbeiten zu mir wie mein rechter Arm. Ich liebe es zu arbeiten und würde es auch 80% der Zeit gar nicht als Arbeit betiteln, sondern eher als eine riesengroße Leidenschaft, die ich verfolge. Ich wusste sehr früh was ich werden wollte, wofür ich bis heute dankbar bin. Wenn ich ein Ziel klar vor Augen habe, führt auch kein Weg daran vorbei. Ich habe dabei keine Angst vor dem Versagen oder etwas nicht zu schaffen. Kleinere und auch größere Stolpersteine gehören dazu... Nur dass die etwas Größeren manchmal richtig doll weh tun können.

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Da man auf Instagram und Co. nur die schönen Seiten des Lebens mitbekommt, sich aber bestimmt viele von euch fragen „Wie macht sie das alles nur?!“, möchte ich euch heute ein wenig genauer schildern, was sich in den letzten Jahren bei mir so alles getan hat.
Ich finde es immer ermutigend, wenn ich andere Businessfrauen höre, die ihre Geschichten, mit all ihren Höhen und Tiefen, erzählen und daher möchte auch ich heute meine Story mit euch teilen. 

Denn natürlich ist mein Leben nicht immer nur rosig und besteht aus tollen PR-Events und Schmink-Tutorials. Ich habe mir über die letzten Jahre einiges aufgebaut, einen Turm, der so hoch geworden ist, dass er irgendwann zusammenbrechen musste. Es war nur eine Frage der Zeit. Aber ich möchte es gar nicht so negativ klingen lassen, denn mein „Business Detoxing“ wie ich es gerne nenne, hat mir zu viel Ruhe, Glück und auch Zufriedenheit verholfen, die ich so wahrscheinlich niemals hätte genießen können, wenn ich meine Ziele nicht schon mit Anfang 30 erreicht gehabt hätte.

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Alles fing damit an, dass ich mein erstes Ziel erreichen wollte: Die Ausbildung zum Hair & Make-up Artist an der Make-up Designory School in LA. Die Schule war teuer, meine Eltern konnten es sich nicht leisten und so fing ich an, drei bis vier Jobs gleichzeitig zu meistern, um so das Geld für die Schule zusammen zu sparen. Ich arbeitete bis zu 18 Stunden am Tag und schaffte es trotzdem noch mit meiner besten Freundin fast jeden Abend auszugehen. Diese Zeit prägte mich schon enorm, denn ich bin nicht nur „für das Geld“ arbeiten gegangen, ich absolvierte auch noch nebenbei ein Praktikum bei einem Friseur, um mir die ersten praktischen Erfahrungen anzueignen.

Auch als die Ausbildung geschafft und ich wieder zurück in Deutschland war, hatte ich bereits ein nächstes klares Ziel vor Augen: Ich wollte mich als Top Make-up Artist und Hairstylistin etablieren und tat alles dafür, um möglichst schnell an den nächsten großen Job zu kommen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch relativ jung, Anfang 20, und wurde teilweise auf Jobs nicht mal richtig ernst genommen. Schon damals war mir klar, dass das Leben an Shooting-Sets nicht auf Dauer etwas für mich ist und ich mich abheben wollte von anderen Make-up Artists.

Daher eröffnete ich 2009 mit gerade mal 25 Jahren JACKS beauty department, kurz JBD. Ein Beauty Store, der mir, zumindest damals, in Deutschland komplett fehlte. Ich hatte keinen blassen Schimmer vom Einzelhandel, den ganzen Regeln und Zahlen, die hinter so einem Businessmodell stecken, trotzdem sprang ich ins kalte Wasser. Ich suchte mir einen Business Angel, der mir mit dem Businessplan half und nahm einen kleinen Kredit über gerade mal  45.000 Euro auf. Den Rest finanzierte ich über meine laufenden Einnahmen als Make-up Artist.

Mein Vater war es, der mir den Tipp gab „PR ist das A&O und darin musst du investieren!“ Also investierte ich. Für mich war es damals unheimlich viel Geld, etwa 1.500 Euro im Monat in eine PR-Agentur zu stecken, aber es zahlte sich aus. In kürzester Zeit war JACKS beauty department in aller Munde und ich erschien mit meinem Konzept und den außergewöhnlichen Beauty-Produkten, die ich aus aller Herren Länder importierte, in sämtlichen Magazinen.

Das war unter anderem ein Grund, warum L’ Oréal Paris auf mich aufmerksam wurde und mich 2011 als National Make-up Artist unter Vertrag nahm. Bis heute ist L’Oréal Paris die einzige feste Konstante in meinem Jobleben und wird sich hoffentlich in den nächsten Jahren auch nicht ändern.
Doch auch über meinen Job bei L´Oréal Paris möchte ich euch kurz aufklären. Hier arbeitet nämlich in erster Linie mein Name und mein Gesicht. Effektive Arbeitstage sind es nur 15-20 im Jahr. Durch die intensive Pressearbeit, die L´Oréal aber betreibt, sieht es nach mehr aus, als es ist. Aber das nur kurz am Rande. Nun zurück zu dem großen Zeit- und Geld-Fresser, wie ich mein JBD-Baby damals nennen musste.

Überall in der Presse vertreten zu sein, heißt nämlich noch lange nicht, dass man 5.000 Euro und mehr am Tag verdient, sondern in erster Linie bedeutet es publicity.
Der Store war bis zum letzten Tag mein Aushängeschild, meine riesengroße Leidenschaft und meine ganze Freude, aber verdient habe ich nie wirklich etwas damit; ganz im Gegenteil, ich musste viele Löcher stopfen und dann kam das Schlimmste, was hätte passieren können.

 JACKS beauty department POP UP im Bikini Berlin

JACKS beauty department POP UP im Bikini Berlin

 JACKS beauty department in München

JACKS beauty department in München

Neben zig kleineren und größeren Pop-Up-Stores, die ich über die Jahre eröffnete, kam im Sommer 2013 ein Franchise-Ableger in München dazu. Es war ein komplett neues Kapitel, das ich da öffnete. Wieder stürzte ich mich, ohne jegliche Erfahrung in dem Bereich, in das Geschehen und war positiver Dinge, dass auch eine andere Person die gleiche Power mitbrachte wie ich und die Dinge schon wuppen würde. Dem war nicht so.

Ich spürte schon wenige Monate nach der Eröffnung, dass mein eigentlicher Mitspieler nicht das gleiche Spiel spielte wie ich. Meine Franchisepartnerin ging Ende 2015 insolvent ohne das Problem mit mir zu lösen. Der Brief mit der Mitteilung über die Insolvenz und über den damit zusammenhängenden riesigen Schuldenberg sowie den anstehenden Mieten für ein ganzes weiteres Jahr erreichte mich eine Woche vor der Geburt meines Sohnes Noah.

Damit begann eine der härtesten, aber auch glücklichsten Zeiten zugleich in meinem Leben.

Mama zu werden war mein ganzes Glück. Oh Gott, war und bin ich verliebt in meinen kleinen Schatz! Aber er öffnete mir auch die Augen und zeigte mir auf was es wirklich im Leben ankommt. Mich nun hängen zu lassen und gegebenenfalls auch in die Insolvenz zu schlittern, war für mich absolut keine Option. Dass ich gerade erst selber einen Umzug in Berlin, von einer 50qm großen Ladenfläche mit zwölf Marken auf eine Fläche von 180qm mit 32 internationalen Nischenmarken, hingelegt hatte, war mir in dem Moment egal.
Ich musste nach München und dort das Schiff vor dem Kentern retten. Ich überlegte einige Zeit, was es geben könnte, das in so kurzer Zeit einen Laden füllt und das Geld für die Miete von 7.500 Euro netto im Monat einspielte. Es war letztendlich mein Instinkt, der mich daran erinnerte, wie gut die Berliner Vintagemöbel, mit denen ich den Münchner Store eingerichtet hatte, ankamen.

Vier Monate war Noah erst alt, als Tamara, unser erstes Au Pair-Mädchen, bei uns anfing. Gemeinsam mit ihr und Noah verbrachte ich wochenlang in München und karrte an den Wochenende die „alten“ Möbel von Berlin nach München, renovierte und restaurierte sie dort vor Ort und verkaufte sie für einige Taler mehr an die Kundschaft.

Das Konzept ist eingeschlagen wie eine Bombe und hielt mich immerhin mit der Miete über Wasser. Es öffnete auch wieder meinen Horizont und entfachte eine große, neue Leidenschaft in mir - das Interior Design. Selbst L´Oréal Paris wurde darauf aufmerksam und engagierte mich 2017 als Konzeptgeberin und Einrichterin für das Berlinale-Atelier.
Also auch wenn die Zeit mega hart war, habe ich für mich wieder das Beste daraus gemacht und allen gezeigt, dass ich mich nicht unterkriegen lasse.

Zurück in Berlin merkte ich natürlich, dass es auch hier Zeit wurde, ein paar Löcher zu stopfen. Aber ich war müde von all dem Stopfen und Fixen, andere Menschen um mich herum weiterhin zu motivieren und zu schauen, wie man denn überhaupt weiter macht.

Bei so einem großen Geschäft spielt natürlich auch das Personal eine tragende Rolle. Das war auch der Grund, warum ich 2015 noch on top das Schulkonzept Make-up Designory als Franchise nach Deutschland holte. Es war für mich nur stimmig und einleuchtend, dass wenn ich weiter machen wollte – und mein Ziel war es damals in allen großen Städten Deutschlands mit JBD vertreten zu sein – ich auch mein eigenes Personal ausbilden musste.

Dass aber auch dieses Konzept wieder viel Geld und Zeit benötigte, um zu wachsen, wollte ich wohl nicht wirklich wahrhaben und glaubte den Versprechen der Franchisegeber, dass es wohl ein „no brainer“ sei. Aber wenn ich eins über die letzten Jahre als Geschäftsfrau gelernt habe: Es gibt keine „no brainer“! Hinter jeder Businessidee steckt viel Arbeit, Zeit und auch Geld!

 Heute finde ich endlich Zeit für ein gemütliches Lunchen, wie zum Beispiel hier in einer meiner Lieblingsrestaurant in Mitte -  THE   KLUB   KITCHEN

Heute finde ich endlich Zeit für ein gemütliches Lunchen, wie zum Beispiel hier in einer meiner Lieblingsrestaurant in Mitte - THE KLUB KITCHEN

So, und nun zum eigentlichen Teil der Geschichte, dem Detoxing. Es wurde klar, dass ich nicht alles schaffen kann. Also wurde es Zeit sich zu verabschieden. Verabschieden von all dem, was meine Zeit raubte, was mich nachts nicht schlafen lies und mir graue Haare bereitete. Mein Mann hatte das lange vor mir bemerkt; er lag mir damals schon seit zwei Jahren damit in den Ohren. Natürlich, er war ja auch null Komma null emotional damit verbunden. Das macht es nämlich letztendlich so wahnsinnig schwierig einzusehen, dass etwas finanziell unlukrativ ist. JACKS beauty department war immer mein ganzer Stolz, mein Baby, das ich über alles liebte. Aber nun war Noah da und ihn liebte ich mehr und wusste, dass es Zeit war, den Stress von mir zu schütteln.

Natürlich hätte ich es auch so weiter laufen lassen können, aber wenn ich einmal eine Entscheidung getroffen habe, dann bin ich konsequent. Und so teilte ich im Sommer 2016 meinem Team mit, dass ich JACKS beauty department nach dem Wintergeschäft schließen würde und verkaufte auch Make-up Designory wieder an Make-up Designory Europa zurück. Was mir dann blieb, war immer noch mehr als genug.

Im dem Winter habe ich ein Business Coaching besucht, um besser zu verstehen, wie ich ticke. Das kann ich ehrlich gesagt nur jedem empfehlen, bei mir war es längst überfällig. Ich habe in diesen Monaten viel über mich gelernt, unter anderem, dass ich mit nur einem Job nicht glücklich bin. Ich brauche die Abwechslung und finde im Chaos meine eigene Struktur. Aber ich übernehme mich nicht mehr so wie früher und kann besser filtern, was wirklich Sinn macht und was nicht.

Für mich war es kein Scheitern, die Läden aufzugeben und mir selbst einzugestehen, dass es finanziell unlukrativ war. Ich habe viel daraus gelernt und möchte die Zeit niemals missen müssen.

Seit Oktober 2017 liegt mein Hauptfokus auf meiner Eigenmarke JACKS beauty line, die in den ganzen Jahren zuvor auch zu wenig Beachtung bekommen hatte. Doch hier sehe ich wirklich eine Zukunft und habe viel Freude an der Entwicklung neuer Ideen. Ich merke, wie dankbar das Geschäft ist und wie viel Spaß es macht, wenn man wirklich Zeit hat, sich auf etwas zu fokussieren.

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Für L´Oréal Paris bleibe ich als Make-up Artist weiter aktiv und freue mich auf die gelegentlichen Pressereisen sowie Shootings und Drehs.

JACKS beauty department lebt nun in diesem Format weiter, aber ganz ungezwungen und ohne Stress. Nehmt es mir daher bitte nicht übel, wenn ich es nicht jede Woche schaffe, einen neuen Beitrag online zu stellen, vielleicht bin ich gerade einfach mal mit meinem Sohn auf dem Spielplatz.

Was auch immer euch meine Story sagt, eins möchte ich noch betonen: Lasst euch bitte niemals unterkriegen und seid mutig mit all euren Ideen und Möglichkeiten, etwas Großes zu schaffen! Man muss keine Riesen Konzern werden, um erfolgreich zu sein. Auch weniger ist manchmal mehr!

Alles Liebe,

Eure Miriam


PHOTOS: SOPHIA LUKASCH & PRIVAT

 
Miriam Jacks